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Schweizer Führungskräfte im Gespräch
Kultureller Wandel in der ANKLIN AG

In einer Kellerwerkstatt begann die Geschichte der ANKLIN AG im Jahr 1954. Heute, fast 70 Jahre später, sprechen wir mit CEO Frank Schäfer über die beeindruckende Entwicklung des Unternehmens, die Herausforderungen des kulturellen Wandels im Führungsstil und sein persönliches Interesse an Gehirnforschung, Saxophon und täglichem Rudertraining.

ANKLIN AG wurde 1954 in einer Kellerwerkstatt gegründet. Frank Schäfer, was waren die Ursprünge der ANKLIN AG?

Apple, Barbie, Ford – sie alle wurden in einer Garage geboren und auch die Ursprünge der ANKLIN AG liegen ganz unspektakulär in einer Kellerwerkstatt eines Basler Reihenhauses. Für die Schweiz als Land der KMU ist die Entstehung aber dennoch typisch. Es war der Vater unseres aktuellen VR-Präsidenten mit seiner Frau Lina, der die Einzelfirma «J. Anklin – Werkstätte für Arzt- und Spitalbedarf» gründete und bald Endoskope und Instrumente aus halb Europa zur Überprüfung und Reparatur entgegennahm.

Auf der Firmenwebseite der ANKLIN AG steht zur Geschichte: «Vieles ändert – vieles bleibt». Wie hat sich die ANKLIN AG im Laufe der Zeit verändert?

ANKLIN ist stark gewachsen, mehrfach in grössere Räumlichkeiten umgezogen und zählt heute über 80 Mitarbeitende. Was die konkrete Tätigkeit anbelangt, haben sich mit der Zeit insbesondere die gesetzlichen Bedingungen verändert, was die Entwicklung eigener Produkte erschwert. Dennoch bietet ANKLIN heute beeindruckende Bildqualität und integrierte Tools für die Ärzteschaft, wie die ultrahohe Auflösung und Live-Einfärbung von Gewebearten wie beispielsweise Tumore.

Was ist im Laufe der Zeit unverändert geblieben?

Neben den qualitativ absolut hochwertigen Produkten und der professionellen Auftragsabwicklung war sicherlich die Nähe zum Kunden für den Erfolg der Firma entscheidend. Diese Merkmale sind noch immer unmittelbar mit der Marke ANKLIN verbunden. Der «ANKLIN-Service» ist in der Spitallandschaft ein fester Begriff. Dies ist dem Engagement unserer Mitarbeitenden zu verdanken, die sich – wie einst der Gründervater selbst – immer an den Bedürfnissen der Kunden orientieren. Unsere Geschäftstätigkeit findet zwar ausschliesslich in der Schweiz statt, Hilfe leisten wir aber auch international. Die Unterstützung von Projekten in Westafrika oder Kuba geht auf eine langjährige ANKLIN-Tradition zurück.

Derzeit findet in der ANKLIN AG ein kultureller Wandel statt. Welche Vision verfolgen Sie dabei?

Unsere Mitarbeitenden sind die Firma. Unser Ziel ist es, die Mitarbeitenden noch stärker miteinzubeziehen. Das bedeutet: Wir fördern gezielt die Eigenverantwortung, eine gesunde Fehlerkultur und den Mut, Neues zu versuchen. Dieser Weg ist kein leichter, aber es lohnt sich immer, die Komfortzone bei geeigneter Gelegenheit zu verlassen.

Wie erleben Sie diese Transformation?

Herausfordernd. Menschen, die gewohnt sind, über lange Zeit bekannte Weg zu beschreiten, auf denen sie sich im Schlaf bewegen können, und dann aufgerufen sind, andere Abzweigungen zu nutzen, verlaufen sich schon mal oder haben Mühe sich zu orientieren. In solchen Momenten ist Leadership entscheidend, um die Mitarbeitenden auf den richtigen Weg zu leiten. Das bereitet mir persönlich viel Freude, weil die Menschen hier bei ANKLIN positiv gestimmt und motiviert sind. Klar hat es auch mal Tage, an denen die Sonne nicht scheint, aber wie wir alle aus Erfahrung wissen, wird sie wieder scheinen.

Bald können Sie auf 2.5 Jahre als CEO der ANKLIN AG zurückblicken. Welches Ereignis aus dieser Zeit würden Sie als besonders einschneidend bezeichnen?

Wir haben erkannt, dass eine Überarbeitung des bisherigen Leitbildes notwendig ist, um es besser an die aktuellen Gegebenheiten des Unternehmens anzupassen. In einem umfassenden Prozess, an dem alle Mitarbeitenden beteiligt waren, haben wir sechs Werte definiert und ihnen die interne Bezeichnung SWITEQ (für Stabilität, Wertschätzung, Innovation, Transparenz, Engagement und Qualität) gegeben. Im Zuge dieses Prozesses wurden diesen Werten konkrete Inhalte und Bedeutungen zugewiesen. Dabei war es uns wichtig, tatsächlich unsere Firma abzubilden und keine Standardvariante zu übernehmen. Dieser Prozess samt Einführung war tatsächlich einschneidend und der Startschuss für diese Veränderung fand im Frühjahr 2022 statt.

Welche Art von Menschen passen am besten zur ANKLIN AG?

Wir suchen Menschen, die Verantwortung übernehmen und etwas bewegen wollen und diesen Anspruch mit der Firmen-DNA verbinden können. Dabei sind auch die Führungskräfte gefragt, denn diese müssen Veränderung zulassen wollen und gleichzeitig unsere Werte (vor-)leben.

ANKLIN war über viele Jahre vor allem im Bereich der Endoskopie tätig als Exklusiv-Distributionspartner von Karl Storz. Mittlerweile hat sich das Produktangebot massiv verbreitert. In welche Richtung wird sich das Produkt- und Dienstleistungsangebot der ANKLIN AG weiterentwickeln?

Die Endoskopie hat ihren Ursprung in einer medizinischen Nische gehabt, hat jedoch inzwischen den Sprung ins Standardrepertoire geschafft, begleitet von einer rasanten technologischen Entwicklung. Wir betrachten in unserem Portfolio nun noch stärker den gesamten Rahmen, in welchem unsere Produkte eingesetzt werden. Darunter fällt etwa die Desinfektion der Instrumente. Eine spannende Technologie ist da die Desinfektion mit UVC-Licht, welche den Kunden zahlreiche Vorteile bringt (schneller, effizienter, nachhaltiger). Aber auch im Bereich des Eingriffs gibt es Neuerungen: Wir arbeiten mit einem Robotik-Hersteller zusammen und vertreiben Systeme, welche bei endoskopischen Eingriffen die Ärzteschaft mit technologischen Hilfestellungen unterstützen. Wir wollen also weiterhin Endoskopie grossschreiben und gleichzeitig ihr Einsatzgebiet etwas weiter fassen.

Was bedeutet für Sie Führen?

Führen heisst bewegen und dies beginnt bei der Selbstführung. Man muss also auch bereit sein, sich selbst zu bewegen, um andere(s) bewegen zu können. Damit meine ich zunächst gut zuzuhören, sich auf Argumente einzulassen und dann situationsgerecht – mit einer Prise Mut – Entscheidungen zu treffen. Dies versuche ich seit nunmehr 25 Jahren und lerne täglich dazu.

Welchen Führungsstil pflegen Sie?

Am ehesten finde ich mich im transformationalen Führungsstil wieder. Dieser zielt auf eine intrinsische Motivation, welche aus einer gemeineinsamen Vision hervorgeht und letztlich die individuelle Entwicklung der Mitarbeitenden fördert.

Neben Ihrer beruflichen Tätigkeit beschäftigen Sie sich mit Gehirnforschung und lesen gerne neurowissenschaftliche Sachbücher. Was fasziniert Sie an diesem Gebiet?

Das menschliche Gehirn ist verantwortlich für das, was die Menschheit über Jahrtausende geschaffen hat – im Guten wie im Schlechten. Die Forschung sagt, dass sich der IQ in Mitteleuropa mittlerweile um 3 Punkte pro Dekade erhöht. Wer vor hundert Jahren mit IQ 110 als intelligent galt, wäre in der heutigen Zeit bei rund 80 % und würde als fast zurückgeblieben gelten. Bei allen Problemen, denen wir global gegenüberstehen, ist also Zuversicht angebracht, denn Anpassungsfähigkeit – gerade durch Intelligenz – hat unsere Spezies bislang ausgezeichnet. Die Erforschung von Intelligenz, Lernen und Anpassungsfähigkeit des Gehirns im Laufe der Zeit finde ich äusserst faszinierend.

Die Redewendung «Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper» entspricht Ihrer persönlichen Überzeugung. Könnten Sie uns mehr darüber erzählen?

Ich glaube fest daran, dass körperliche Gesundheit und geistiges Wohlbefinden eng miteinander verbunden sind. Ich treibe sehr gerne Sport, um mich körperlich fit zu halten und meinen Geist zu entspannen. Morgens verbringe ich 30 Minuten auf meinem Rudergerät. Diese tägliche Routine hilft, das Immunsystem auf Trab zu halten und sorgt dafür, dass das Organ ganz oben gut mit Sauerstoff versorgt wird. Die Schweiz ist für aktive Menschen geradezu prädestiniert. Die Hügel des Baselbiets sind zum Radfahren einfach toll, aber auch für Familienausflüge zu Fuss sind die Möglichkeiten fantastisch.

Wenn Sie etwas mit einem Fingerschnipp ändern könnten, was wäre das?

Ich weiss nicht ganz genau weshalb, aber das Saxophon fasziniert mich seit meiner Jugend – einfach ein tolles Instrument. Ein kraftvoller Klang, der von einem Profi gespielt, eine stupende Leichtigkeit aufweisen kann. Nun: Ich kann nicht Saxophon spielen, aber einen Fingerschnipp würde ich dafür mehr als gerne investieren. Bis dahin begnüge ich mich mit dem Wissen, dass das Saxophon – wer hätte es gedacht – ein Holzblasinstrument ist, und ein wunderbares obendrein.

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